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Ethik und Meditationslehre

Ethik und Meditationslehre | Meditation Hamburg

Spirituelle Lehrer/innen, Meditationslehrer/innen und Meditationsmeister/innen können Techniken und Methoden lehren, die auf dem persönlichen Weg unterstützen. Als Begleiter und Wegbereiter können sie auf verschiedenen Ebenen und in vielerlei Hinsicht Hilfestellung leisten und haben in vielen Traditionen eine notwendige und zentrale Rolle. Auch können sie Einsichten und Erkenntnisse vermitteln, die sie durch eigene Erfahrungen und Erlebnisse in ihrer fortlaufenden Meditationspraxis und auf ihrem individuellen Pfad erkannt haben.

In jedem Menschen bleiben lebenslang Gefühle wie Ängste, Trauer, Zorn, Neid oder Hass genauso wie destruktive Neigungen, Verletzlichkeit und biologische Grundbedürfnisse vorhanden. Das sind das Bedürfnis nach Kontakt, Einstimmung, Vertrauen, Autonomie und Liebe/Sexualität.

Werden Gefühle, Neigungen und Bedürfnisse verleugnet, unterdrückt oder verdrängt, können sie sich einen offenen oder subtilen und perfiden Weg bahnen, der sich in unbewussten und manipulativen Verhaltensweisen äußert. Diese können Meditationsschülern genauso wie den Lehrenden selbst schaden und insgesamt Leid verursachen. Das sind zum Beispiel blinde Selbstsicherheit, Arroganz und Intoleranz sowie Machtmissbrauch, Geldmissbrauch, sexueller Missbrauch oder der Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen.

Irrwege im Bereich Meditation und Spiritualität

Viele Menschen, die ernsthaft über mehrere Jahre hinweg meditieren und Erfahrungen mit verschiedenen Lehrer/innen gemacht haben, kennen auch Enttäuschungen und leidvolle Erfahrungen. Wenn Lehrer/innen oder Meditationsmeister/innen ihre Rolle missbrauchen, kann es Jahre brauchen bis diese Erlebnisse verarbeitet sind. Bei vielen Praktizierenden stehen diese Abhängigkeiten und  Verletzungen auf psychologischer Ebene oft im Zusammenhang mit einer unbewussten kindlichen Bedürftigkeit nach einer idealisierten Vater- oder Mutterfigur. Nach der Suche nach Halt, Rat, Führung und Erlösung im Außen oder dem Wunsch ein hingebungsvoller Anhänger zu sein.

Gleichzeitig gehören verschiedenste Enttäuschungen und negative Erfahrungen dazu. Für die Lehrenden gleichsam wie für Praktikanten. Denn sie rütteln uns auf und erinnern uns daran, reife Selbstverantwortung zu übernehmen. Sie bringen uns, Lehrer wie Schüler, nicht nur einmal aus Selbstüberschätzung, Naivität, aus einer Blase oder einem Höhenflug heraus, weil sie unsere Idealisierungen von uns selbst, von anderen und von weltferner Vollkommenheit ernüchtern oder erschüttern. Damit schärfen wir den Blick für die Realität noch einmal mehr und vergrößern unsere Unterscheidungsfähigkeit sowie unsere Selbstannahme. Und dies fördert wiederum unsere persönliche Klarheit, Wachheit und Präsenz. Letztlich geht es genau darum.

Der Mensch bleibt Mensch

Jeder Meditationslehrer/in, jeder Meditationsmeister/in, jeder spirituelle Lehrer oder Coach bleibt Mensch und ist damit ein Leben lang auch menschlichen Gefühlen, Neigungen und Bedürfnissen unterworfen.
„Drink the wine, throw away the bottle“ („Trinke den Wein, schmeiß die Flasche weg“) meint in diesem Zusammenhang, dass wir die Inhalte und Praktiken verschiedener Traditionen und Lehren annehmen können, um sie mit unseren eigenen erfahrenen Wahrheiten abzugleichen und sie für unsere Selbsterkenntnis zu nutzen.
Es bedeutet auch, Charisma und Überzeugungskraft nicht mit Weisheit zu verwechseln und uns nicht selbst zu entmündigen, indem wir unser Seelenheil und Hoffnungen an eine Lehre, Person, Gemeinschaft, Organisation oder Methode binden oder blind abgeben.

Meditation und die Erfahrungen des Lebens führen dazu, uns selbst, unserer inneren Führung/Intuition, genauso wie unserer Vernunft und dem eigenen Körper zu vertrauen. Unser Leben mit Licht und Schatten, mit seinen Höhen und Tiefen anzunehmen und sich ihm zu stellen.
Dann darf beides da sein: Herzensgüte und die Schönheit des Lebens, genauso wie „katastrophale Umstände“ und verletzende und kränkende Verhaltensweisen. Widersprüche und Paradoxien sind da, ohne gegen sie ankämpfen zu müssen oder an ihnen zu verzweifeln. Klarheit in Bezug auf die eigenen Grenzen und die Kraft diese zu wahren entstehen.

Welche ethischen Richtlinien sollten in der Meditationslehre verbindlich sein?

Die menschliche Natur lässt sich nicht verleugnen. Somit sind wir, Schüler wie Lehrer, immer wieder dazu angehalten, unsere Schatten anzuerkennen und zu integrieren, anstatt sie zu verleugnen oder zu verdrängen. Es geht darum, unser innerstes Potential mehr und mehr zu nutzen und nach außen zu bringen.

Je nachdem, wie flexibel und stabil eine Lehre, ein Lehrer/in oder Meditationsmeister/in oder Schüler darin ist, Leidenschaft, Begehren, Zorn und Verwirrung bei sich selbst und anderen anzunehmen, ihnen zu begegnen und sie in sich selbst zu transformieren, umso reifer ist die Form der Spiritualität. Gleichzeitig gibt es dabei den einen richtigen Weg nicht.

Folgende ethische Grundsätze erscheinen in der Vermittlung von Meditation und Spiritualität sinnvoll:

  • Keine Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Kultur, religiöser oder spiritueller Gesinnung, sexueller Orientierung oder psychischer Stabilität
  • kein Pushen zu spiritueller Spitzenleistung oder Leistungsorientierung
  • keine Unterbindung von Kritik oder Infragestellung von Lehrenden
  • kein Gehorsam, der Abhängigkeit und Hilfsbedürftigkeit schafft
  • keine Ausnutzung von Idealismus, finanziellen Mitteln, Spendenbereitschaft sowie von Zeit und Engagement
  • Keine Isolation Praktizierender von Mitpraktizierenden, Familie, Freunden oder dem weltlichen Geschehen (Mediennutzung wie Zeitungen usw.)
  • Keine sexuellen Beziehungen oder Liebesbeziehungen zwischen Praktizierenden und Lehrenden
  • Keine Verleitung zu Intoleranz oder Abwertung, Vorurteilen oder Undifferenziertheit gegenüber Religionen, anderen Lehren und Ansätzen oder persönlichen Anschauungen

Stattdessen:

  • Eine Gesprächs- und Streitkultur geprägt von Offenheit, Toleranz und Achtung
  • Benennung und Klärung von Fehlern und Missverständnissen in freundlicher, konstruktiver und respektvoller Art und Weise
  • Bestärkung in der Selbstverantwortung und angemessenen Wahrung persönlicher Grenzen genauso wie der Unvoreingenommenheit gegenüber anderen
  • Förderung von heilsamen und förderlichen Beziehungen zu anderen
  • Aufklärung über Grenzverletzungen und Machtmissbrauch in Lehrer-Schüler-Beziehungen, spirituellen Organisationen, Gemeinschaften und Vereinigungen

Worauf es ankommt ist, dass wir immer unsere eigene Entscheidung treffen müssen, ob das, was wir in der Gegenwart eines Lehrers oder einer Lehrerin erleben, für uns in Ordnung und angemessen ist. Gleichzeitig spielen die spirituellen Erfahrungen, die in diesem Zusammenhang gemacht werden, stets eine eigene Rolle, die weder mit Moral noch mit persönlichen Vorlieben zu tun hat. Die Verantwortung tragen wir allein.

 

Weitere Informationen:

Eine weitere sehr gute Zusammenfassung über das Thema Krisen, Gefahren und Missverständnisse auf dem persönlichen Pfad bietet Angelika Doerne in Ihrem Artikel: „Irrtümer, Fallstricke und Gefahren auf dem spirituellen Weg“.

In dem Artikel gibt es eine klare Orientierung zu den Bereichen:

  • Spirituelle Spitzenleistung und Leistungsorientierung
  • Spirituelle Dogmen und Vereinfachungen
  • Kindlich-emotionale Fixierung auf einen Guru
  • Verwechslung von Erfahrung und Verwirklichung
  • Vermeidung von Schmerz, Angst und gesunder Aggression durch Fixierung auf
    transzendente Erfahrungen und Konzepte
  • Verwechslung von kindlich-romantischen Verschmelzungszuständen und spirituellen
    Einheitserfahrungen

Darüber hinaus gibt es das Netzwerk für spirituelle Entwicklung und Krisenbegleitung.
Das Netzwerk unterstützt bei spirituellen Krisen, die „[…] zum einen in der spirituellen Praxis selbst auftauchen (unsachgemäße Anleitung oder ungenügende innere Vorbereitung und psychische Stabilität des Betroffenen), zum anderen auch durch spontane spirituelle Erlebnisse entstehen können (z.B. paranormale Erlebnisse, Nahtodeserfahrungen oder plötzliches Erwachen der „Kundalinienergie“, die die Betroffenen in ihr Weltbild nicht einordnen können.)

Darüber hinaus können spirituelle Krisen im Zusammenhang mit fast jeder schwierigen Situation entstehen (Konflikte mit oder Verlust der Arbeit, des Lebenspartners, der Gesundheit, Umgang mit der eigenen Sterblichkeit u.a.m.).“ 

Meditationsabend,
Meditationsworkshop,
Meditationswochenende in Hamburg,
Frauenheilkreis